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Jahrbücher 2005 – 2020

Das Jahrbuch der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft dokumentiert in jedem Jahr die Arbeit der BWG. Im Vordergrund stehen dabei die Veranstaltungen der Gesellschaft: Die im Rahmen der Arbeitskreise, der Jahresversammlung und der einmaligen Termine gehaltenen Vorträge finden sich hier in gedruckter Form wieder, zugänglich für alle Interessierten. So repräsentiert die Veröffentlichung auch das disziplinäre Spektrum der Wissenschaftlichen Gesellschaft, die den Austausch und den Brückenschlag zwischen den akademischen Fachrichtungen als ein primäres Ziel begreift. Die thematische Vielfalt der Beiträge renommierter Wissenschaftler zeugt von diesem Bemühen und, so hoffen wir, auch vom Gelingen unseres Ansatzes.

Zudem wird künftig ein Gastautor einen Aspekt der aktuellen Wissenschaftspolitik beleuchten. Die Berliner Wissenschaftliche Gesellschaft wird sich so noch deutlicher als kritische Stimme gegenüber den Entwicklungen der wissenschaftlichen Rahmenbedingungen positionieren. Selbstverständlich finden sich auch alle notwendigen Informationen zur Struktur und den Mitgliedern im Jahrbuch.

Das Jahrbuch wird herausgegeben von unserem Vorstandsmitglied Prof. Dr. iur. Martin Heger.

Jahrbuch der BWG 2019/2020. Gesamtausgabe als ebook

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Jahrbuch der BWG 2017/2018. Gesamtausgabe als ebook.

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Falls Sie das gesamte Buch oder Teile daraus benötigen, schreiben Sie uns bitte an mail@bwg-berlin.de.

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Sonderbeiträge

SPECIAL. Nur auf unserer Website!

Herr Dr. Michael Högele hat seinen Vortrag am 31.05.2012 im Rahmen des Harnackhauskreises gehalten.
Er ist Preisträger des »Dissertationspreis Adlershof 2011«

M. Högele: Eine mathematische Lesart eiszeitlicher Klima-Umbrüche

Geleitwort

Tradition und Wandel?

Tradition durch Wandel!

Für beides steht die Berliner Wissenschaftliche Gesellschaft.

Eine Tradition ist, dass die Beiträge auf unseren Veranstaltungen im Jahrbuch gedruckt werden, um einerseits nach Außen auch die vielfältigen Aktivitäten unserer Gesellschaft darzustellen, aber auch unseren Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, den einen oder anderen Beitrag nochmal nachzulesen. Wandel ist bereits, dass wir die Titel der Beiträge auf unserer Internetseite einfügen und in Zukunft dort auch jeweils ein Abstract zur Verfügung stellen, um Wissenschaftlern, die an dem jeweiligen Thema arbeiten, damit auch unsere Arbeiten bekannt zu machen und zur Verfügung zu stellen.

Der größte Wandel fand aber in der Herausgabe des Jahrbuches statt.

Herr Sösemann hat mit Eintritt in den Ruhestand die Redaktion des Jahrbuches abgegeben. An dieser Stelle möchte ich ihm und Frau Starke, die im Verborgenen die ganze „Kernarbeit“ der Erstellung geleistet hat, ganz herzlich danken für ihre Arbeit. Die Messlatte für die Fortführung liegt hoch. Dankenswerterweise haben sich Herr Heger, Herr Puschner und Herr Wendt bereit erklärt, gemeinsam die Redaktion des Jahrbuches zu übernehmen.

Es hat sich aber noch ein weiterer Wandel ergeben:

Zum 1.3.2010 ist Frau Wolf in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Wir möchten ihr hier für die geleistete Arbeit ganz herzlich danken. Fielen doch auch in diese Zeit die Auflösung der Geschäftsräume in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung und der Neuaufbau am Dienstsitz des Vorsitzenden. Als Nachfolgerin für die Leitung der Geschäftsstelle konnten wir zum 1.5.2010 Frau Petra Roloff gewinnen. Mit ihr konnten wir die Tradition der Arbeit der Geschäftsstelle fortsetzten. An dieser Stelle möchte ich Frau Roloff ganz herzlich danken, dass sie sich so schnell in die teilweise nicht immer einfache Struktur der BWG eingearbeitet hat.

Aber auch damit ist der Wandel noch nicht abgeschlossen.

Wir müssen mit den Beiträgen unserer Mitglieder sparsam umgehen und sicherstellen trotz ständiger Kostensteigerungen einerseits, andererseits abnehmender Spendenbereitschaft, das Jahrbuch in der gewohnten Qualität zu erstellen. Wir konnten mit dem Peter Lange-Verlag günstige Konditionen aushandeln, die uns auch in Zukunft die Herausgabe sichern und auch neue Entwicklungen des Internets mit einbeziehen.

Und damit komme ich wieder zur Tradition.

Wie Sie sehen, spiegeln die Beiträge wieder das gesamte Spektrum der Wissenschaft wider. Neben den Vorträgen des Harnack-Haus-Kreises, für deren Organisation ich ganz besonders Herrn Wendt danken möchte, werden wir auch in Zukunft die Beiträge der Preisträger des Promotionspreises der Technologiestiftung und des Studienpreises der Erhard Höpfner Stiftung abdrucken. Damit stehen diese Arbeiten nicht nur unseren Mitgliedern zum Nachlesen offen, sondern für diese jungen Wissenschaftler, insbesondere des Studienpreises, besteht damit auch die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse einem größeren Kreis bekannt zu machen.

Ich hoffe, dass Sie wegen dieser vielen Veränderungen Verständnis zeigen, dass sich die Veröffentlichung verzögert hat, weil uns die gewohnte Qualität vor Einhaltung eines Zeitplanes stand.

Ich wünsche Ihnen deshalb umso mehr viel Freude an diesem Jahrbuch.

H.-Peter Berlien

Beiträge

Vollständiges Verzeichnis der Einzelbeiträge, den Vorträgen anläßlich der Preisverleihungen und den Nachrufen.

Bitte nachfolgende PDF-Datei öffnen:

Vorträge und Veranstaltungen - JB 2010-2011 (pdf 25,49kb)

Vorwort

Bernd Sösemann
 
Die seit längerem angekündigte Überarbeitung der Bachelor- und Master-Modelle hat in der Politik immer noch nicht die nötige Priorität erhalten. Eine grundsätzliche Debatte über die bildungspolitischen Inhalte und Ziele hatte es weder vor dem sogenannten  Bildungsgipfel von 2008 noch nach der Bildung der neuen Regierung gegeben. In allen Wahlkämpfen haben sich die Parteien wechselseitig mit Hinweisen auf die Bedeutung von Bildung und Ausbildung, Wissen und Kreativität in einem rohstoffarmen Land überboten. Man beschwor die hohen Ansprüche eines globalen Wettbewerbs und erklärte im ungewohnten Gleichklang, der Bildung gebühre Vorrang, sie sichere die Zukunft „unserer Kinder“ und des Staates. Doch der angekündigte entschlossene Ruck blieb aus. Ein entschiedener Wille zum Wandel scheint im Bund und in den Ländern nicht vorhanden zu sein. Die Schul- und Hochschulfinanzierungsprogramme sind prekär, die Ansätze zur Reform der Studienreform kommen über Trostpflaster in Form von partiellen Nachbesserungen nicht hinaus.

Verkommt die „Jahrhundertreform“ von Bologna im universitären Separatismus der Wissenschaften zum Flickwerk? Statt einer nüchternen Lageanalyse, die zu einer koordinierten und systematisch geplanten grundlegenden Reform nach der Reform in allen Bundesländern hätte führen können, kündigen jetzt die ersten Ministerpräsidenten Alleingänge an oder beschreiten sie bereits. Die Lage an den Universitäten und Fachhochschulen droht sich allein dadurch im kommenden Jahr weiter zu verschlechtern. Nicht einmal das schlimmste aller alten Leiden ist geheilt worden, die Verwaltung des Mangels. Die wachsende Drittmittelfinanzierung dominiert in einem Maß wie noch nie zuvor. Für Dozenten und Studierende werden die Verhältnisse zunehmend unübersichtlicher. Eine knappe Bestandsaufnahme ist bei weit über eintausend Studiengängen zwar nicht möglich, doch zeichnen sich folgende Gravamina deutlich ab. Die meisten der BA-Studiengänge sind zu schmal und inhaltlich überfrachtet, verschult und durch eine Vielzahl studienbegleitender Prüfungen überlastet. Eine unsinnig ausgedehnte Präsenzpflicht, ein unverantwortlicher Zeit- und Arbeitsdruck lasten auf Dozenten und Studierenden, rauben ihnen die Zeit zum selbständigen Erkenntnisgewinn und die Muße zum Lesen. Die anhaltende personelle Unterversorgung erschwerte die zu Recht geforderte intensivere Beratung und Betreuung der Studierenden oder machte sie sogar wegen der Vielzahl von Modulen und der Überfüllung von Lehrveranstaltungen unmöglich. An der Freien Universität Berlin hat jeder Professor es durchschnittlich mit mehr als 75 Studierenden zu tun; damit schneidet sie unter den neun Exzellenz-Universitäten am schlechtesten ab.  Der Wechsel des Studienorts ist schwerer als je zuvor einzuplanen, das empfohlene Auslandsstudium keinesfalls leichter geworden. Die Studiendauer hat sich nicht signifikant verkürzt, die Abbrecherquote ist in etlichen Fächern gestiegen, Tutoren- und Mentorenprogramme werden nicht umfassend aufgebaut. Die veröffentlichten Personalstatistiken verbergen, mit welchen völlig unangemessenen Mitteln die Lehre notdürftig aufrecht erhalten wird: Lehrstühle (ehemals C4-, jetzt W3-Professuren) werden zusammengelegt oder fallen weg; Professuren ohne die geringste oder mit unzureichender personeller, finanzieller und sächlicher Ausstattung werden geschaffen. Das Lehrdeputat ist generell angehoben geworden und die Vergütung für Aushilfen, also dringend notwendige Lehraufträge, völlig inakzeptabel; für neu geschaffene Lehrkräfte mit besonderen Aufgaben sind vierzehn, ja sechzehn Wochenstunden festgelegt.

Die Realität steht somit auch im zehnten Jahr des Bologna-Programms in einem schroffen Gegensatz zu den langjährigen Erklärungen der Ministerpräsidenten, Rektoren und Präsidenten, der Hochschulrektorenkonferenz und ganz besonders der Bundesbildungsministerin. In ihnen hat es geheißen, der Bologna-Prozess stelle einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung der deutschen Hochschulen dar, eröffne interessante Kombinationen von attraktiven Qualifikationen und eine flexiblere Verbindung zwischen Lernen, beruflicher Tätigkeit und privater Lebensplanung. Seit dem Protestsommer 2009 sind wenigstens die realitätsfernen Beschwörungen eines unmittelbar bevorstehenden Erfolgs verstummt. Fast ausnahmslos haben die kritiklosen Befürworter in kürzester Zeit nicht nur ihre lobpreisenden Gesängen zum Bachelor/Master-System eingestellt und sich sogar Anti-Bologna-Ressentiments bedient, sondern nicht minder hektisch versucht, sich den protestierenden Dozenten und demonstrierenden Studierenden verbal anzuschließen. Rechthaberei und Leerformeln, Ausreden und Absichtserklärungen beherrschen nun die öffentliche Diskussion. Eine integrative Erneuerung scheint in weite Ferne gerückt. Auf wenig seriöse Weise wird mit Statistiken hantiert, mit Sonderzuweisungen oder weiteren Exzellenzinitiativen von dem Tatbestand abgelenkt, da in den letzten Jahren nicht nur in Berlin die Grundfinanzierung so stark abgesenkt worden ist, dass die Betroffenen im „Normal“-Betrieb kaum mehr tun können als nach Notlösungen zu suchen. Nicht einmal die Einführung von Computer-Programmen („Campus-System“) hat Entlastung geschaffen, sondern den Arbeitssaufwand zusätzlich gesteigert und die grundständige Lehre erschwert. Auf eine wahre Bildungsinitiative von Bund und Ländern hoffen die Dozenten und Studierenden ebenso wenig wie auf ein angemessenes Rettungspaket für Lehre und Forschung, das zwangsläufig ähnliche Dimensionen haben müsste wie die den Banken und Unternehmen gewährten Unterstützungen. Für den verantwortlichen Redakteur von „Wirtschaft & Wissenschaft“ (Stifterverband der deutschen Wirtschaft) ist dagegen die Misere ganz einfach zu erklären: „Denn eine Gruppe an der Hochschule hat vom Recht auf Faulheit im Bologna-Prozess weidlich Gebrauch gemacht – die Professoren. (…) Sie haben die Reform spektakulär verbockt“ (Heft 4, 2009, S. 55). Nicht nur dort beherrschen Vorurteile und eine nicht geringe Portion an Unkenntnis die Debatte. Eigene Anschauung und kritische Distanz anstatt wohlfeiler hochschulpolitischer Redensarten sind vonnöten, um die Interessen der Beschwörer von „employability“ (Berufs- und Arbeitsmarktqualifizierung), Exzellenzinitiativen oder Elitewettbewerben, Ratings oder Evaluierungs-Prozessen, Arbeitsmarktqualifizierung und von qualitätsvoller Lehre nach „workloads“ (Zeitaufwand) erkennen und sich von ihnen unabhängig zu machen.

Die Reihe „Wissenschaft der Zukunft – Zukunft der Wissenschaft“ hat sich unter der Leitung des Kollegen Prof. Dr. Jochen Brüning vom Institut für Mathematik der Humboldt Universität mit dem Thema „Mathematik“ befasst. Wir begrüßen mit diesem Jahrbuch vier neue Kolleginnen und Kollegen. Am 31.12.2009 gehörten unserer Gesellschaft 351 Personen an; neben den 231 ordentlichen zählt sie 42 fördernde und 78 korrespondierende Mitglieder. Im vergangenen Jahr hatten wir den Tod von fünf Mitgliedern zu beklagen. Es handelt sich um die Kollegen Prof. Dr.-Ing. Manfred Fricke, Gerhard Jäger, Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Roland Kammel, Prof. Dr. Helmut Kewitz und Prof. Dr. Walter Schmithals.

Mit dieser 19. von mir betreuten Ausgabe unseres „Jahrbuchs“ – eine weitere, die 20. also, hat der verstorbene Kollege Bernfried Schlerath mit mir zusammen 1991 hergestellt – verabschiede ich mich anlässlich meiner Pensionierung als Hochschullehrer und damit auch als Herausgeber von den Mitgliedern der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft sowie von den Autorinnen und Autoren der letzten beiden Jahrzehnte. Mein herzlicher Dank geht an Frau Dr. Gisela Wolf in der Geschäftsführung, an Frau Claudia Delfs im Berliner Wissenschafts-Verlag und an  Frau Swea Starke in meiner Forschungsstelle AKiP an der Freien Universität Berlin. Sie haben mich in den letzten Jahren in der organisatorischen und redaktionellen Arbeit aufmerksam, sachkundig und freundlich unterstützt. Ein weiterer Wechsel wurde nötig und auf der Mitgliederversammlung am 1. März 2010 verkündet, denn Herr Prof. Dr. Uwe Puschner hat im vergangenen Jahr den „Adolf Harnack-Kreis“ letztmalig betreut. Mit dem Sommersemester 2010 übernimmt Herr Dr. Christian Wendt, Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, alleinverantwortlich die Leitung dieser Vortrags- und Diskussionsrunde. Ihm und auch meinen „Jahrbuch-Nachfolgern“ wünsche ich alles Gute!

Berlin, 8. Mai 2010

Beiträge

Vollständiges Verzeichnis der Einzelbeiträge, den Vorträgen anläßlich der Preisverleihungen und den Nachrufen.

Bitte nachfolgende PDF-Datei öffnen:

Vorträge und Veranstaltungen JB 2009(pdf 17,41 kb)

Vorwort

Wären die Universitäten Banken, so könnten hier vielleicht Worte der Begeisterung über ihre Rettung stehen. Doch offensichtlich lässt selbst die Opposition es zu, dass sich in Deutschland die anhaltende Krise im Bildungsbereich durch die unvorstellbar großen Volumina der Sanierungsprogramme für die Wirtschafts-, Finanz- und Bankenwelt weiter verschärft. Die Regierungsbeschlüsse zeigen, zu welchen Anstrengungen ein demokratisches Regierungssystem fähig ist, wenn Erkenntnis und Einsicht, Wille und Tatkraft vorhanden sind. Hoffentlich erzielen die Politiker die von ihnen und der Bevölkerung erwarteten Erfolge, haben sie die Komplexität der Materie ausreichend bedacht, sind also die Grundlagen und Folgen ihres Handelns umfassend und ausreichend kritisch geprüft worden. Haben doch erst vor wenigen Jahren die Entscheidungen von Bundes- und Landespolitikern beziehungsweise ihr Nichthandeln die günstigen Rahmenbedingungen für verantwortungslose Banker und Spekulanten geschaffen. 

Die ungeschminkte Lage wird wohl erst nach den Wahlen für den Bundestag zu erkennen sein. Die Politik dürfte dann noch weniger als je zuvor bereit sein, sich in den Bereichen Erziehung, Bildung und Ausbildung in einem größeren Umfang und kraftvoll zu engagieren, wenn bereits Naturschutz- und Klimaprogramme, Gesundheits- und Sozialwesen sich nicht angemessen werden finanzieren lassen. Die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten und ein Umverteilungsprozess bedrückenden Ausmaßes offenbaren, wie wenig Markt und Politik momentan ausbalanciert sind. Bildungspolitiker sind in einem Wahljahr gegenüber Wirtschaftlobbyisten völlig machtlos. Anders sind die von wenig Weitsicht zeugenden punktuellen Eingriffe wie „Abwrackprämie“ oder Steuer-Geschenke nicht zu verstehen. Denn die freigebigen Maßnahmen werden nicht nur im akademischen Bereich von erhöhten Belastungen, neuen Sparrunden und gekürzten Zuweisungen begleitet. Die Verhandlungen der Universitätspräsidenten mit dem Berliner Senat über die Höhe der allernotwendigsten Mittelzuweisungen verlaufen entsprechend. Es hilft wenig und zerstört eher die Reste des Vertrauens, wenn Statistiken geschönt, auf politisch und propagandistisch aufwändig inszenierten Bildungsgipfeln nur allzu bekannte Versprechungen wiederholt, Bauvorhaben in Schulen und Hochschulen in hoch gepriesene „Bildungsförderungsmaßnahmen“ mit einbezogen werden. 

Die inneruniversitäre Situation hat sich außerdem durch die Zunahme von Wettbewerbsorientierung und Verwertungslogik weiter verschärft. Noch werden politische Versäumnisse und bürokratische Zwänge nicht nur von den Studierenden, sondern auch von den Dozierenden eher apathisch oder doch zumindest mit einer fast unheimlichen Gelassenheit hingenommen. Inzwischen droht die akademische Ausbildung in eine wachsende Abhängigkeit von Drittmitteln zu geraten. Die Steuerung durch konjunkturempfindliche Sponsoren wird zwar als bedenklich anerkannt, gleichwohl wird sie von der Universitätsleitung hingenommen, mit einkalkuliert, wenn nicht sogar gefördert. Doch wer kann in der fortschreitenden Ökonomisierung der Universität und in der Wegrationalisierung von Stellen und Dienstleistungen eine tragfähige Lösung sehen, wenn er die „Universität der Zukunft“ immer noch für mehr als nur eine Ausbildungseinrichtung unter anderen hält? Selbst positive Folgen des so genannten Bologna-Prozesses – Intensivierung der Beratung, thematische Differenzierung und Konzentration der Studieninhalte – sind gefährdet, weil ein finanzieller und personeller Abbau eingesetzt hat, der zwangsläufig auch mit einer partiellen intellektuellen Reduzierung verbunden ist. Waren die Grundzuweisungen an die einzelnen Arbeitsbereiche auch bislang nicht einmal um den jeweiligen Inflationsausgleich erhöht worden, so blieben sie in ihren Schrumpfformen wenigstens unangetastet. Nun werden sie zur Finanzierung von Telefongesprächen, Internetanschlüssen und Kopien aufgebraucht. 

Der Rechtfertigungsdruck auf die verantwortlichen Politiker wird wachsen, denn die Bildungsinvestitionen liegen in Deutschland weiterhin noch unter dem Durchschnitt westlicher Industrieländer. Die Bundesregierung will 6 Milliarden bereitstellen; die Hochschulrektorenkonferenz belegt einen weitaus höheren Bedarf und fordert mehr als das Doppelte allein zur Milderung der aktuellen Notsituation. Bundesministerin Schavan und auch der Berliner Finanzsenator lehnen aber Budgetsteigerungen in entsprechender Höhe ab. Die BA-MA-Reform strapaziert die Dozierenden mit einem erheblich gestiegenen Verwaltungsaufwand, beschäftigt sie mit Formularen und Netz-Eingaben oder mit Modularisierungsdetails. Die neuen Studiengänge mit ihrer dichten Prüfungsfolge lassen den Studierenden kaum noch Zeit für Sprachstudien, zum Entdecken produktiver „intellektueller Nebenwege und Abenteuer“, für (Auslands-)Praktika oder zum Hinzuverdienen. Die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ entschärfte die finanzielle Lage der Studierenden in den vergangenen Monaten nicht, sondern verschlechtert sie sogar durch dilettantische Entscheidungen. Zwar hat sie kürzlich publikumswirksam verkündet, sie habe ihre Kredite um 0,5 % gesenkt, aber verschwiegen, dass sie erst kurz zuvor eine Erhöhung um mehr als 0,7 % durchgesetzt hatte. Mehr als 500 Milliarden hat die Bundesregierung allein den Banken zugesagt. Ein Konjunkturpaket „Bildung“ wird es aber nicht einmal im untersten zweistelligen Milliardenbereich geben. Wird in Bildung nicht permanent angemessen investiert, erhöht sich der Anteil gering oder mäßig Ausgebildeter und steigen bereits in der nächsten Generation die Sozialausgaben. 

Eine andere, nicht minder tief greifende Entwicklung verläuft nahezu parallel. Denn mitten in der finanziellen Krise führen Kulturminister und Senatoren ihre Pläne zur Umstrukturierung der Universitäts-/Hochschullandschaft weiter fort: seien es außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, interuniversitäre Forschungseinrichtungen von unterschiedlichem Autonomiestatus oder Exzellenz-Stätten aller Art. Reform der Reform als Dauerzustand. Nicht kurzatmige organisatorische Basteleien, sondern eine verlässliche Planung sind dagegen erwünscht. Wann sollen die tief greifenden Veränderungen der letzten Jahre erfolgreich umgesetzt, kritisch begleitet und verbessert werden? Wann wird es das fachlich qualifizierte Personal in ausreichender Anzahl geben? Die Erhöhung der Lehrdeputate im Windschatten von abgesenkten BA-Anforderungen ist dem Niveau der akademischen Lehre abträglich. Soll die Universität langsam in zwei Lager auseinanderdriften oder sogar möglichst schnell aufgebrochen werden? Welche Zielsetzungen verfolgen die „Bologna-Follow-up-Groups“? Hier die Exzellenzbereiche der Forschung mit optimaler Ausstattung und Spitzengehältern, dort die personell und finanziell schlecht versorgten BA- und MA-Angebote für die Abfertigung von Massen durch wenige und gering besoldete Dozenten auf der Stufe einer nochmals abgesenkten W-Klasse? 

Akademische Bildung und Weiterbildung sind Fragen des Überlebens, vor allem in alternden Gesellschaften. Sozialpolitik im 21. Jahrhundert muss Bildungspolitik sein. Bildungsgipfel mit Parolen wie „Bildung ist Chefsache“ haben wir hinter uns, ohne dass sie zu einer Bildungsbewegung jenseits von Sonntagsreden, außerhalb von Kommissionssitzungen und preiswerten Preisverleihungen geführt haben. Bildung wird auf die eine oder andere Weise zur sozialen Frage des 21. Jahrhundert werden. Nachdem die von den Politikern ausgerufene „Bildungsgesellschaft“ sich als Wahngebilde entpuppt hatte, wurde von ihnen unter der Bulmahn-Parole „Brain up“ die „Informationsgesellschaft“ propagiert, die heute etwas bescheidener „Bildungsrepublik Deutschland“ genannt wird. Doch auch hierbei dürfte es sich wohl ebenfalls nur um ein neues wohl tönendes, aber ohne Konsequenzen bleibendes Wort handeln. Ein salopp daher kommendes „Job-Center“ vermag schließlich auch nicht mehr zu leisten als ein gut geführtes „Arbeitsamt“. 

Quo vadis universitas? Präsidialämter und Fachbereichsverwaltungen benötigen rechtzeitig Informationen und Anregungen zugleich, damit sie nicht erst durch eine inneruniversitäre Krise aufgeschreckt und zu überstürztem Handeln gezwungen werden. Die Verantwortlichen sollten entsprechend umsichtig und sparsam zum Wohl der Institution mit ihren Lehrenden und Studierenden verfahren, denn daraus leitet sich die Existenzberechtigung ihrer Verwaltung vorrangig ab. Nur der Gebildete und gut Ausgebildete kann seinen Lebensweg angemessen mitbestimmen. Bildung und Ausbildung sind heute nur mit Milliardenbeträgen zu finanzieren. Fallen die Investitionen zu gering aus, werden später weitaus größere benötigt. 

Das Jahrbuch kann erscheinen, weil mich während seines Entstehungsprozesses zwei Damen umsichtig und zuverlässig unterstützt haben: Claudia Delfs im Verlag und Swea Starke an der „Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und angewandte Kulturwissenschaften“. Ihnen und allen Autorinnen und Autoren danke ich herzlich.

Berlin, 28. April 2009 
Bernd Sösemann  

Beiträge

  • Gertrud Pickhan
    Ein Fenster zur Freiheit. Der Jazz in der Volksrepublik Polen
  • Horst Malberg
    Klimawandel 1701–2007 unter der Lupe
  • Astrid Irrgang 
    Neue Leser für die Korrespondenz eines Wehrmachtsoffiziers. Dissertationsergebnisse auf Reisen: Reaktionen aus Deutschland, Polen und den USA
  • Klaus Schüler
    Architektonische Gestaltung und politisches Selbstverständnis: Das Konrad-Adenauer-Haus
  • Helmut Wagner
    Mein Leben im geteilten Berlin – Ein Zeitzeuge erzählt
  • Eckart Henning
    Wissen, Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte. Aus der Sicht des zentralen Archivs zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft
  • Oliver Janz
    Nation und Religion im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Europa
  • Klaus Mylius
    Johann Pachelbel und seine Ciacona in d — Johann Pachelbel – ein Leben für die Musik

Wissenschaftliche Auszeichnungen durch die Gesellschaft

  • Bernd Sösemann 
    Die Ausschreibungen des „Studienpreises“ für die Jahre 2008 und 2009
  • Hilke Engelbrecht
    Webbasiertes Lernen und die Realisierung von Lernstandsanzeigen – Ein Überblick
  • Andreas Windisch
    Vergleichende Analyse von Genetischen Algorithmen und der Particle Swarm Optimization
    für den Evolutionären Strukturtest

Miglieder- und Jahresversammlung

  • Peter Gaehtgens 
    Bologna und Lissabon: Der europäische Hochschulraum und seine Bedeutung für die Hochschulentwicklung in Deutschland

Vorwort

Die Anforderungen und Belastungen auf allen Feldern der universitären Forschung und Lehre wachsen, die Zahl der Studierenden steigt, die der Professoren sinkt und die Auseinandersetzungen über sinkende Etats in etlichen Fachbereichen nehmen an Schärfe zu. Ein weitreichender Reformanspruch oder auch nur ein aus kurzatmigen Überlegungen erwachsender, zumeist unzulänglich aufeinander abgestimmter Veränderungsdruck erhöhen sich von Semester zu Semester. Gleichzeitig steigt die Zahl der Aushilfsmaßnahmen, die als „Reformen“ deklariert werden, ohne dass sie an der Gesamtsituation qualitativ etwas verändern. Einzig die Absenkung der Besoldung (C1-4 wurde zu W1-3) wurde schnell und mit verheerenden Folgen durchgesetzt.

Für diese Feststellungen finden sich im akademischen Alltag zahlreiche Belege. Die Tatbestände existieren übrigens nahezu unabhängig davon, ob Hochschulen für „exzellent“ befunden worden sind oder nicht, ob die überstürzt und ohne die erforderliche Verbesserung der personellen und sachlichen Ausstattungen eingeführten Bachelor- und Master-Studiengängen sich mühsam durchsetzen, schon wieder aufgegeben oder stark abgeändert werden müssen, ob Bibliotheken die dafür dringend notwendigen Dienstleistungen erbringen können oder in ihrer Funktionsfähigkeit bereits massiv eingeschränkt sind. Zumindest versuchen die Universitätsleitungen in Berlin rigoros tiefgreifende finanzielle Kürzungen in einem solchen Umfang durchzusetzen, dass sie mit der Fortsetzung dieser Sparaktionen die „Universitäten“ als Stätte wissenschaftlichen Lehrens und Lernens binnen kurzer Zeit zur Disposition stellen werden. Deshalb verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für die Lehrenden und Studierenden in einem schwer zu verantwortenden Umfang. Wenn Professoren kaum noch zur wissenschaftlichen Arbeit kommen, sondern zunehmend als Verwaltungsbeamte tätig werden, ist das eine unsinnige Ressourcenverschwendung. 

Darüber hinaus zeichnen sich bildungs- und hochschulpolitisch gewollte und von etlichen Präsidenten ebenfalls angestrebte oder zumindest geduldete Strukturveränderungen ab, die zu einer kaum noch kaschierten Neudefinition der Organisation, der Funktionen und auch der bildungs- bzw. gesellschaftspolitischen Bedeutungen von „Universität“, „Fachhochschule“ und „außeruniversitärer Forschungsanstalt“ führen sollen. „Die Zeit“ resümierte scharf: „Die deutsche Universität gibt es nicht mehr“, und wie sich die flächendeckenden Veränderungen und Reformen auswirken, lasse sich erst nach zwei Jahrzehnten bewerten. Die Zeitung fragte deshalb: „Stimmt überhaupt die Richtung?“ (Nrr. 4 und 7, 17. und Januar und 7. Februar 2008). Die Einführung eines zu doppeltem Lehrdeputat verpflichteten und somit von der Forschung nahezu ausgeschlossenen „Lehrer neuen Typs“ an den Hochschulen spricht ebenso gegen eine Hebung der Qualität wie die bevorzugte Ausweitung knapp befristeter Einstellungen, die Ankündigung eines Kultusministeriums, Universitäten das exklusive Promotionsrecht nehmen zu wollen, sowie die überstürzt angekündigte, dürftig begründete und weitgehend unklar gebliebene Nachricht aus dem Berliner Senat, eine Super-Universität gerade in dem Moment in der Hauptstadt errichten zu wollen, in dem man einer ihrer Universitäten, der Freien Universität, höchste Qualität testiert hatte. Außerdem dürfte wohl kein Rechungshof Verständnis dafür aufbringen, dass im Zuge der universitären Dezentralisationsmaßnahmen das Wachstum des Verwaltungsapparats in den Fachbereichen nicht mit einer entsprechenden Verschlankung der höheren Leitungsebenen einhergeht. Mitunter zeigt sich selbst dort, wie an den anschwellenden Verzeichnissen und im Internet unschwer abzulesen ist, sogar ein wundersames Wachstum – wohl nicht zuletzt dank der großzügig einbehaltenen Anteile an den Exzellenz-Zuwendungen, den sogenannten Overheads. 

  Nachdem die Politiker mehr als zwei Jahrzehnte lang der Bildung und Ausbildung eine viel zu geringe oder so gut wie gar keine Aufmerksamkeit geschenkt oder ein Ministerpräsident sogar die Lehrerschaft diffamiert hatte, wird das Thema nach dem sogenannten Pisa-Schock nunmehr wenigstens nicht nur rhetorisch stärker behandelt. Internationale seriöse Statistiken enthüllen aber, wie weit abgeschlagen Deutschland platziert und wie wenig es ihm gelungen ist, die benötigten umfangreichen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, mit denen allein die gravierenden Versäumnisse der Vergangenheit beseitigt werden könnten. Im europäischen Vergleich investiert unser Staat auf dem Bildungssektor finanziell und personell weiterhin in einem eher bescheidenen Umfang. Einem Interview der seit 2005 an der Misere mitverantwortlichen Bundesministern für Bildung und Forschung, Frau Annette Schavan, lässt sich wenig Erfreuliches entnehmen: Sie plädiere für einen Mentalitätswandel in Deutschland, führte sie in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 26./27. Januar (Nr.22) aus. Es müsse zu einem Klimawechsel an den Hochschulen kommen, damit die Lehrenden nicht fortgesetzt entmutigt, sondern ermutigt würden: „Das [Zahlen-]Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden ist nicht in Ordnung“! Der Bund werde sich zwar weiterhin an der Finanzierung beteiligen, „die Grundausstattung der Unis [sei] allerdings Sache der Länder.“ Mit jener minimalen Ausstattung ist es in Berlin inzwischen so schlecht bestellt, dass die Grundausstattung zunehmend durch Drittmittel beziehungsweise Leistungsmittel gedeckt werden muss – doch selbst sie stehen in einigen Instituten längst zur Disposition. Die Betreuungsrelation Dozent : Studierende hat sich drastisch verschlechtert und ist ein halbes Jahrhundert nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland von vormals 1 : 19 am Ende der Sechziger im Jahr 2008 auf einen erschreckenden Tiefstand abgesunken (1 : 58). Vor diesem Hintergrund verlieren die Ankündigungen der Politiker, sie billigten der Bildung und Ausbildung hohe Priorität zu, erheblich an Glaubwürdigkeit. „Die Welt wartet nicht auf deutsche Landespolitiker, die ihren Hochschulen nicht die Freiheit zugestehen, ihre Personalstruktur eigenständig zu entwickeln“, mahnt die Humboldt- Stiftung in ihrem jüngsten „Kosmos“-Heft (Jahrgang 2007), und fährt fort: „Die Lehrdeputate sind zu hoch beziehungsweise müssten flexibler aufgeteilt werden können.“ Am Schluss des Wintersemesters 2007/08 ist ob dieser Situation und der ungünstigen Aussichten nicht nur in Berlin die Verunsicherung gewaltig. In den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften wächst die Zahl der Enttäuschten, Verbitterten und Resignierenden deutlich, weil Qualität, internationaler Wettbewerb und Effizienz dort kaum noch zu leisten sind. 

Ungleich weniger prekär verlief das vergangene Jahr für unsere Gesellschaft. Herr Priv.-Doz. Dr. Uwe Puschner hat den „Harnack-Kreis“ weiterhin erfolgreich geleitet. Etliche der dort vorgetragenen Ausführungen finden sich hier im „Jahrbuch“ wieder. Die Reihe „Wissenschaft der Zukunft – Zukunft der Wissenschaft“ hat sich im achten Jahr ihres Bestehens mit dem Thema „Von Lichtblitzen und Geistesblitzen“ befasst. Wir begrüßen mit diesem „Jahrbuch“ sieben neue Kolleginnen und Kollegen. Am 30.01. 2008 gehörten der Gesellschaft 369 Personen an; neben den 241 ordentlichen zählt sie 47 fördernde und 81 korrespondierende Mitglieder. In diesem Jahr haben wir den Tod unseres hochschulpolitisch besonders engagierten Vorstandsmitglieds, Herrn Prof. (a.D.) Dr. Jürgen H. Springer, Institut für Technische Chemie der Technischen Universität Berlin, zu beklagen. Den ehrenden Nachruf verfasste Herr Prof. Dr. Jörn Müller. 

In das Amt des Vorsitzenden wurde am 15. Februar 2007 Herr Prof. Dr. Hans-Peter Berlien gewählt. Die weitere Zusammensetzung des Vorstands und auch des Beirats finden Sie wieder im Anschluss an den Text unserer Satzung. Die Geschäftsstelle führt weiterhin Frau Dr. Gisela Wolf; unseren „Netzauftritt“ betreut mit gleich bleibender Aufmerksamkeit Herr Dr. Mathias Hellriegel. Im Verlag liegt die Bearbeitung unserer Publikation ebenfalls noch in den Händen von Frau Claudia Delfs, so dass die Kooperation wiederum sehr angenehm ablief. Am Lehrstuhl fand ich in einer Doktorandin, Frau Swea Starke, und dem studentischen Mitarbeiter, Herrn Mark Erbel, die wichtige Unterstützung in der redaktionellen Arbeit und auch bei allen organisatorischen Fragen des „Ehrhard Höpfner Studienpreises“. Ihnen sowie den Autorinnen und Autoren danke ich herzlich, denn wie sollte sich sonst ein derartiges Werk Jahr für Jahr ehrenamtlich vorlegen lassen.

Berlin, Ostern 2008
Bernd Sösemann

Geleitwort

Das vorliegende Jahrbuch kann in mehrerer Hinsicht mit eindrucksvollen Zahlen aufwarten. Es ist im 35. Jahr des Bestehens der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft der 30. Band, der jetzt zum 16. mal von unserem Vorstandskollegen Herrn Prof. Sösemann wieder in dieser bewährten Form fertig gestellt wurde.

Jeder, der einmal ein Buch herausgegeben hat, weiß um die viele Arbeit und Sorgen, alle Beiträge zeitgerecht zu erhalten. Deshalb gebührt Herrn Sösemann um so größerer Dank, dass er sich wiederum dieser Aufgabe angenommen hat. Aber es soll sich lohnen. Die Beiträge bilden nicht nur das wissenschaftliche Spektrum unserer Gesellschaft ab, sie sind auch eine Dokumentation wichtiger Entwicklungen.

Wenn wir im Jahre 2007 herausragende Veranstaltungen mit prominenten Referenten hatten, so muss ich hier meinem Vorgänger im Amte, Herrn Prof. Klöpfer ganz besonders danken, der dies zum größten Teil noch geplant hatte. Auf der Jahresversammlung hatte der Berliner Wissenschaftssenator Prof. Zöllner erstmals der Öffentlichkeit das neue Strukturkonzept der Berliner Hochschullandschaft vorgestellt, das sich jetzt in einer breiten Diskussion befindet. Auch die Einladung der Justizsenatorin zur Mitgliederversammlung im Februar ist noch der Initiative von Herrn Klöpfer zu verdanken. Sie hatte in einem bemerkenswerten Referat auf die Probleme einer unkritischen pauschalierten Umstellung aller Studiengänge auf das Bachelor/Master- System hingewiesen.

Damit ist auch mein erstes Amtsjahr als Vorsitzender zu Ende gegangen. Die kollegiale und konstruktive Unterstützung durch alle Vorstandskollegen macht die Arbeit erfreulich und spannend. So konnten wir eine neue Reihe „Moderne Architektur als Ausdruck politischer Willensbildung“ ins Leben rufen, die mit einer Führung durch die SPD-Parteizentrale, dem Willy-Brandt- Haus begonnen hatte. Aber Freud und Leid liegen, wie immer, sehr eng beieinander. So mussten wir den plötzlichen Tod unseres Vorstandsmitgliedes Herrn Prof. Springer zur Kenntnis nehmen, durften aber mit der Verleihung des Nobelpreises an unser langjähriges Mitglied Prof. Ertl sicherlich einen Höhepunkt verzeichnen.

Auch das kommende Jahr wird uns wieder auf vielen interessanten Veranstaltungen zusammen führen, so dass ich hoffe, dass wir noch mehr, vor allem auch jüngere Mitglieder, dabei begrüßen können.

Berlin, im Februar 2008 
Prof. Dr.med. H.-Peter Berlien

Beiträge

  • Traute Petersen
    Die europäische Kultur – Grundlagen und Erscheinungsformen
  • Christiane Salge
    Feuerwerk in Wien: Die städtischen„Ernst- und Lust-Feuerwerks Proben“in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wien
  • Stefan Rinke
    Amerikanisierung in Amerika: Begriffe, Konzepte und die Dynamik der Kultur
  • Erhard Schütz 
    „…wenn alles in Scherben fällt…“ - Der Luftkrieg im nationalsozialistischen Film
  • Rainer Bitsch
    Konzepte zur Integration von erneuerbaren Energiequellen und dezentralen Erzeugungen in bestehende Elektro-Energiesysteme
  • Eckart Henning 
    Anerkennung und Aberkennung akademischer Titel. Missbrauchsformen im Spiegel der Presse
  • Heinz Wegener
    Der Kirchenkampf an der Landesschule Templin im Schuljahr 1950 und die Templiner Erklärung vom 09. November 1950
  • Wilhelm Hüffmeier
    Preußen: Staat und Kirche oder Staatskirche

Wissenschaftliche Auszeichnungen durch die Gesellschaft

  • Bernd Sösemann 
    „Erhard Höpfner-Studienpreis“
  • Elisa Hoven
    Die Entschädigung von Abgeordneten des Deutschen Bundestages
  • Martin Eisend/Tilmann Jäger
    Humor vs. Furcht. Die Wirkung von Social Spots vor dem Hintergrund verschiedener Kommunikationsstrategien

Mitglieder- und Jahresversammlung

  • Michael Kloepfer
    Wilhelm Tell und das Recht
  • Berliner Genetik-Workshop
  • Dietrich Arndt  
    Molekulare Genetik in Zellbiologie und Ernährung
  • H.-Hilger Ropers
    Neue Perspektiven für die Aufklärung von genetischen Krankheiten

Nachrufe

  • Jörn Müller 
    Jürgen Springer (1935-2007)

Vorwort

Eine bereits ältere Einsicht, „Wenn man die Zeit nicht nimmt, wie sie ist, und das Gute daraus ergreift und es in seiner Entwicklung fördert, dann straft die Zeit“ beachtend, hat Gorbatschow mit einer ähnlich lautenden Weisheit sein politisches Programm von „Glasnost“ und „Perestroika“ erläutert und popularisiert. Die einleuchtende Erkenntnis gehörte zu den Handlungsmaximen der Reformpolitiker in Preußen vor zweihundert Jahren.

Die „Berliner Wissenschaftliche Gesellschaft“ und mit ihr das „Jahrbuch“ fühlen sich auch noch im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens, es ist das vierunddreißigste, jener Aufgeschlossenheit und Beweglichkeit verpflichtet, die dieses Reformprinzip mit konstituieren. Mit ihren Arbeitskreisen, Podiumsdiskussionen und Vorträgen hat unsere „Gesellschaft“ im vergangenen Jahr wiederum nicht nur über aktuelle Entwicklungen aus den Forschungsgebieten ihrer Mitglieder informiert, sondern sich zeitnah um neue Wege der Förderung und Vermittlung bemüht. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch die Promotions- und Studienpreise hat sich fest etabliert und bewährt.

Die vor zwei Jahren begründete Vortragsreihe „über brücken“ haben wir in Kooperation mit der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung – sie wird seit dem Frühherbst 2006 von Frau Sandra Breda geleitet – mit dem Vortrag von Herrn Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schlink „Über den Verrat“ fortgesetzt. Dem mittäglichen „Harnack- Haus-Kreis“ gibt nunmehr schon im zweiten Jahr Herr PD Dr. Uwe Puschner neue Impulse.

Die Reihe „Wissenschaft der Zukunft – Zukunft der Wissenschaft“ hat sich in ihrem siebenjährigen Bestehen ebenfalls einen festen Platz geschaffen. Sie fand im Herbst vor einem interessierten und sich keineswegs nur aus Geistes- und Sozialwissenschaftlern zusammensetzenden Publikum erstmals zum Thema „Geschichts- und Kulturwissenschaften“ statt.

Allem von uns als gut, notwendig und förderungswürdig Erkannten werden wir uns weiterhin möglichst umgehend und entschieden zuwenden. Das „Jahrbuch“ und zunehmend auch das Internet dokumentieren die Ergebnisse der einzelnen und gemeinsamen Bemühungen. Auf beiden Foren stellen wir in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlicher Akzentsetzung sämtliche Mitglieder mit ihren Funktionen in Wissenschaft und Lehre, Wirtschaft und Verwaltung vor.

Wir begrüßen mit diesem „Jahrbuch“ 6 neue Kolleginnen und Kollegen. Am 15.02.2007 gehörten der Gesellschaft 375 Personen an; neben den 241 ordentlichen hatte sie 49 fördernde und 84 korrespondierende Mitglieder sowie als neues Ehrenmitglied den Nobelpreisträger Prof. Dr. med. Ph.D. Dr. h. c. mult. Günter Blobel. Im vergangenen Jahr hatten wir den Tod von 8 Mitgliedern zu beklagen. Es handelt sich um die Kollegen Prof. Dr. rer. Nat. Werner Baltes, Prof. Dr. med. Dr. med.-dent. Joachim Paul Max Gabka, Prof. Dr. Ursula Hennig, Prof. Dr. phil. Erich Loos, Prof. Dr. med. vet. Lukas Felix Müller, Prof. Dr. med. vet. Fritz Preuß, Prof. Dr. med. Dr. phil. Rolf Winau, Prof. Dr.phil. Heinrich Thelen.

In der Geschäftsstelle fährt Frau Dr. Gisela Wolf in ihrem umsichtigen Regiment fort; den Auftritt im Netz, also auf unserer „Homepage“, gestaltet weiterhin Herr Dr. Mathias Hellriegel fort. Im Verlag und am Lehrstuhl (Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und interkulturelle Publizistik der Freien Universität Berlin) liegt die Betreuung unserer Publikation und des „Ehrhard Höpfner Studienpreises“ weiterhin in den bewährten Händen von Frau Claudia Delfs, Frau Bettina Oehlert, Juliane Gruhl und Herrn Tim Tolsdorff.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Autorinnen und Autoren danke ich herzlich, denn ohne ihre Unterstützung während des ganzen Jahres und insbesondere in den letzten Wochen vor dem Ziel ließe sich der frühe Erscheinungstermin nicht einhalten.

Berlin, am 5. April 2007

Bernd Sösemann

Geleitwort

Seit längerer Zeit gibt es wieder Gründe für einen gewissen vorsichtigen Optimismus bezüglich des allgemeinpolitischen und hochschulpolitischen Umfelds, in dem die Berliner Wissenschaftliche Gesellschaft handelt: Die wirtschafts- und finanzpolitische Lage Deutschlands und Berlins hat sich etwas aufgehellt und mit der Föderalismusrefom I hat die Wissenschaftspolitik klarere Kompetenzzuweisungen und Sicherheit gegen unkontrollierte Einflüsse des Bundes erhalten.

Die Lage der Berliner Hochschulpolitik hat mit dem neuen Berliner Wissenschaftssenator und dem – relativ – guten Abschneiden der Berliner Universitäten in der ersten Phase der zweiten Phase des Exzellenzwettbewerbs deutlich positive Akzente erhalten, die hoffen lassen. Es gilt, diese begrüßenswerten Ansätze für eine weitere Verbesserung der Berliner Hochschullandschaft zu nutzen.

Auch die Lage der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft hat sich weiter verbessert. Seit sehr langer Zeit kann die finanzielle Lage der Gesellschaft nach deutlichen Konsolidierungsschritten als strukturell gesund bezeichnet werden. Wir gehen erstmals ohne Schulden und sogar mit einem – bescheidenen – Überschuss in das Neue Jahr. Auch die Anwesenheit unserer Mitglieder in den Veranstaltungen konnte deutlich gesteigert werden, wobei allerdings noch weitere Steigerungen möglich wären.

Im vergangenen Jahr haben wieder vielfältige, interessante Veranstaltungen stattgefunden, von denen einige im vorliegenden Jahrbuch abgedruckt sind, das dankenswerterweise wieder von Prof. Dr. Sösemann betreut wurde.

Beiträge

  • Irmela Marei Krüger-Fürhoff 
    Immunität, Identität und Transkulturalität in literarischen Darstellungen der Transplantationsmedizin am Beispiel von Taoufik Abdelmoula, Malika Mokeddem und Jean-Luc Nancy
  • Michael Kloepfer
    Der Islam in Deutschland als Herausforderung an das deutsche Verfassungsrecht
  • Dietrich Arndt
    Festveranstaltung am 6. Juni 2006 mit Festvortrag des Nobelpreisträgers Prof. Dr. med. Ph.D. Dr. h. c. mult. Günter Blobel und Berufung desselben zum Ehrenmitglied der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft
  • Susanne Lanwerd 
    Weibliche Körperbilder in der Gedächtniskultur des 20. Jahrhunderts, Anmerkungen aus der Geschlechterforschung
  • Klaus-Dirk Henke
    Gesundheitsreform in der Kompromissfalle

Wissenschaftliche Auszeichnungen durch die Gesellschaft

  • Bernd Sösemann 
    Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Gernot Kieseritzky
    Molekulare Grundlagen der Photosynthese
  • Ausschreibung 2006/ 07

Miglieder- und Jahresversammlung

  • Wolfram Fischer
    Was können Wirtschaft und Wirtschaftspolitik aus der Geschichte lernen?
  • Andreas Troge 
    Umweltschutz als Investition

„Wissenschaft der Zukunft – Zukunft der Wissenschaft“ – Geschichts- und Kulturwissenschaften

  • Bernd Sösemann
    Geschichte als wissenschaftliche Aufklärung und Element öffentlicher Kommunikation
  • Uwe Puschner 
    Plädoyer für Interdisziplinarität in Forschung und Lehre
  • Ernst Baltrusch 
    Alte Geschichte: Zukunft der Wissenschaft – Wissenschaft der Zukunft?
  • Susanne Gödde 
    Rituale als ‚kulturelle Texte’ Antike Religion in kulturwissenschaftlicher Perspektive
  • Eva Cancik-Kirschbaum 
    Altorientalistik – Geschichtsräume jenseits von Europa und Antike
  • Stefan Esders
    Die Produktivität eines Zeitalters der De- und Rekomposition – Spätantike und frühes Mittelalter als Forschungsfeld an der FU Berlin
  • Esther-Beate Körber 
    Die Neuzeit – eine vergangene Epoche
  • Arnd Bauerkämper 
    Zeitgeschichte Europas in transnationaler Perspektive

Nachrufe

  • Hanfried Helmchen
    Paul B. Baltes (1939–2006)
  • Sebastian Neumeister 
    Erich Loos
  • Leo Brunnberg
    Lucas Felix Müller
  • Manfred Stürzbecher
    Rolf Wienau (1937–2006)

Vorwort

Unsere Gesellschaft will noch stärker als bisher in die Öffentlichkeit hineinwirken. Sie wird nicht mehr allein zum „Harnack-Haus-Kreis“, dem „Jour-fixe“ und dem „Berliner Mittelalter Colloquium“ einladen, sondern auch zu der Vortragsreihe „über brücken“. Wir wollen dazu beitragen, die wechselseitigen Verständigungs- und Verständnisprobleme zwischen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zu verringern. Zwischen denjenigen, die unsere Welt in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht weiterentwickeln und denjenigen, die sich der relativ komplizierten Produkte in der Praxis mehr oder weniger „naiv“ bedienen, zeigen sich eine wachsende mentale Kluft und ein nicht geringes Kommunikationsdefizit.

Deshalb verstehen wir unsere Leistung als ein bewußtes, refl ektiertes, kenntnis- und erkenntnisorientiertes Hinüberschreiten vom bekannten und vertrauten zum bislang unbekannten Ufer. Wir wollen dazu beitragen, das naturwissenschaftliche Verständnis unserer Welt mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Darstellungs- und Deutungsangeboten sinnvoll zu verbinden. Denn wir sind davon überzeugt, daß sich auf dem Weg über ein breiteres Verständnis auch ein gemeinsames  Verantwortungsbewußtsein schaffen und stärken läßt. Unsere Interpretation von „über brücken“ umschließt auch die Auffassung, daß mit ihm die überlegte und großschrittige Verlegung eines Standorts verbunden sei. Diese Aktion führt zu einem Perspektivenwechsel, ohne daß damit zwangsläufi g ein Verlust der anderen Seite, also von Sicherheiten verbunden sein müßte. Nur in Verbindungen und Zusammenhängen können wir erkennen und verstehen. Unser erster Kooperationspartner war die renommierte „Robert Bosch Stiftung“. Für die umsichtigen Vorbereitungen sind wir dem Leiter der Berliner Bosch-Dependance, Herrn Markus Hipp, sehr dankbar. Am 21. November 2005 eröffnete Herr Prof. Dr. Dieter Grimm, Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin, Bundesverfassungsrichter a. D., die Reihe mit dem Thema „Menschenwürde in Ausnahmezeiten“. 

Unser „Jahrbuch“ stellt sämtliche Mitglieder mit ihren Funktionen in Wissenschaft und Lehre, Wirtschaft und Verwaltung vor und dokumentiert im Beitragsteil einen Teil unserer Tätigkeiten des vergangenen Jahres. Der Vortrag von Herrn Grimm („über brücken“) kann erst im nächsten Jahrbuch veröffentlicht werden. Mit den Vorträgen aus dem „Harnack-Haus-Kreis“ hat sich im Sommersemester 2005 Herr Prof. Dr. Alexander Demandt verabschiedet. Für seine langjährige und anregende Leitung des wissenschaftlichen Gesprächs dankt ihm der Vorstand im Namen aller Mitglieder auch an dieser Stelle herzlich. Am 9. Februar 2006 gehörten unserer Gesellschaft 387 Personen an; neben den ordentlichen hatte sie 134 fördernde und korrespondierende Mitglieder. Im vergangenen Jahr hatten wir den Tod von 2 Mitgliedern zu beklagen. Es handelt sich um Prof. Dr.-Ing. Hans Blohm und Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Karl Brinkmann; bereits im Jahr 2004 verstarben Prof. Dr. Deng-Su I und Prof. Dr. phil. Ernst Topitsch. 

Die Geschäftsstelle führte Frau Dr. Gisela Wolf im vergangenen Jahr weiter, für unser Erscheinungsbild im Netz ist weiterhin Herr Dr. Mathias Hellriegel zuständig, und im Verlag betreut unser Werk wie in den vergangenen Jahren Frau Claudia Delfs. Ihnen danke ich für die freundliche und umsichtige Zusammenarbeit ebenso wie meiner Sekretärin, Frau Bettina Oehlert, sowie Frau Joanna Muskala und Herrn Tim Tolsdorff von der Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und interkulturelle Publizistik an der Freien Universität Berlin, die bei den Schreib- und redaktionellen Arbeiten sowie an der Schlußkorrektur mitgewirkt haben. 

Berlin, den 20. Februar 2005 
Bernd Sösemann

Geleitwort

Das vergangene Jahr 2005 war politisch außerordentlich bewegt. Es brachte nicht nur das vorläufige Scheitern der Europäischen Verfassung mit sich, sondern auch die Bildung einer neuen Bundesregierung. Für die Wissenschaft war in diesem Jahr das Zustandekommen der sogenannten Exzellenz-Initiative wichtig, wie auch der von den Koalitionspartnern vereinbarte weitestgehende Rückzug des Bundes aus dem Hochschulwesen.

Für die Berliner Wissenschaftliche Gesellschaft hat das vergangene Jahr wesentliche Veränderungen gebracht: der Vorstand wurde weitgehend ausgetauscht. Ich habe statt der bisherigen Aufgabe des 1. Stellvertretenden Vorsitzenden nunmehr den Vorsitz der BWG übernommen, den ich schon einmal in den Jahren 1999 bis 2001 wahrgenommen hatte. Herr Kollege Sösemann ist zum 1. Stellvertreter, Herr Kollege Henke zum 2. Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt worden. Damit sind alle drei Berliner wissenschaftlichen Universitäten im Vorstand der BWG als wissenschaftliche Spitzenorganisation der Region Berlin-Brandenburg vertreten.

Dem früheren Vorsitzenden, Herrn Kollegen Arndt, sowie den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern, den Herren Kollegen Demandt, Dietz und Großklaus, sage ich meinen herzlichen Dank für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit. Herr Arndt hat als Vorsitzender vier Jahre lang das Leben der BWG mit hohem Engagement und großer menschlicher Zuwendung geprägt. Dafür sind wir ihm alle dauerhaft zu großem Dank verpfl ichtet.Herr Kollege Demandt, der über viele Jahre den sogenannten Harnackhaus-Kreis leitete, organisierte und wahrhaft zu einem geistigen Schatzkästlein der BWG ausgestaltete, hat mit seiner Pensionierung dieses Amt zum Wintersemester 2005/2006 aufgegeben. Für seine langen Dienste für die BWG danke ich ihm im Namen unseres Vereins herzlich. Die Leitung des Harnackhaus-Kreises hat nun dankenswerterweise Herr Kollege Puschner übernommen.

Im vergangenen Jahr konnte die Zahl der Mitglieder und der Veranstaltungen wieder behutsam gesteigert werden. Eine neue Veranstaltungsreihe „überbrücken“ wurde gestartet, deren erste Veranstaltung freundlicherweise die Robert-Bosch-Stiftung ermöglicht hat.

Die BWG hat sich mit besonderen Veranstaltungen auch zu aktuellen, vorwiegend wissenschaftspolitischen Themen geäußert. So wurden drei inhaltlich sehr ergiebige Podiumsdiskussionen durchgeführt:

  • 21.04.2005: „Wie stellt sich Berlin im Wettbewerb um die Eliteuniversitäten auf?“ 
    Moderation Prof. Dr. Günter Stock (in Zusammenarbeit mit der Initiative „an morgen denken – Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam für Berlin“)
  • 30.06.2005: „Berlin auf dem Wege zur Gesundheitshauptstadt Deutschlands“ 
    Moderation Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke
  • 14.12.2005: „Wohin steuert die Charité ?“ 
    Moderation Prof. Dr. Hans-Peter Berlien

Einige weitere wichtige Veranstaltungen des vergangenen Jahres seien hier noch genannt: Auf der Mitgliederversammlung der BWG am 03.02.2005 hielt Herr Kardinal Sterzinsky den eindrucksvollen Festvortrag mit dem Thema „Bioethik – christlicher Glaube und die Entwicklung in der modernen Medizin“. Herr Kollege Schreyögg hat mit großem Erfolg die Veranstaltung „Wissenschaft der Zukunft – Zukunft der Wissenschaft, Beispiel Wirtschaftswissenschaften“ am 20.10.2005 geleitet. Dem Direktor der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Herrn Prof. Dr. Bernd Wolfgang Lindemann, sind wir für eine Führung mit dem Schwerpunkt „Alte Niederländer“ zu großem Dank verpflichtet.

Einige der Vorträge, die im Rahmen unserer Veranstaltungen gehalten wurden, sind dank der engagierten und bewährten Herausgeber-Arbeit von Herrn Kollegen Sösemann im vorgelegten Band veröffentlicht.

Schließlich haben auch die Arbeitskreise Biotechnik, Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie Wissenschafts- und Hochschulpolitik wiederum wertvolle Arbeit geleistet. Die Förderung junger Wissenschaftler ist durch die Vergabe des Erhard-Höpfner-Studienpreises und des Promotionspreises der BWG weitergeführt worden. Der Erhard-Höpfner-Stiftung und der Technologiestiftung Innovationsagentur Berlin sind wir für die Unterstützung bei dieser wichtigen Aufgabe zu Dank verpflichtet.

Der vorliegende Band dokumentiert einen wesentlichen Teil unserer Arbeit im Jahre 2005 und verbindet dies mit dem besonderen Dank an die Referenten für ihre Vorträge, an die Vorstands- und Beiratsmitglieder für die Mitwirkung an der Leitung unseres Vereins, an unsere Mitglieder für ihr Engagement und an Frau Dr. Wolf von der Geschäftsstelle, die alles – organisatorisch wie kulinarisch – zusammenhält.

Michael Kloepfer

Beiträge

  • Hannelore Horn 
    Putins Rußland in Europa: Partner, Gegner, Bürde?
  • Michael Kloepfer 
    Verfassungsdenken in Schillers „Don Karlos“
  • Eckart Henning 
    Heiße Magister, heiße Doktor gar… – Aktuelle hilfswissenschaftliche Anmerkungen zu akademischen Titeln
  • Britta Kaiser-Schuster 
    Die Kulturstiftung der Länder
  • Helmut Wagner 
    Die Rechtsnatur der Europäischen Union – Auf welchen Begriff ist sie zu bringen?
  • Klaus-Dirk Henke 
    Kosten, Preise, Ausgaben, Finanzierung und Vergütung im Gesundheitswesen – Ein Buch mit sieben Siegeln oder harte Nüsse zum Knacken
  • Bernd Sösemann 
    Steinige Wege zu einer europäischen Öffentlichkeit – Anmerkungen zur Vielfalt der Medien und zum „Eigensinn“ der Kulturen in Europa

Wissenschaftliche Auszeichnungen durch die Gesellschaft

  • Bernd Sösemann 
    Der „Erhard Höpfner-Studienpreis“
  • Bertolt Meyer
    Zusammenfassung der Diplomarbeit: Nutzungsbarrieren bei IT-basierten Wissensmanagementsystemen: Eine Fallstudie.
  • Daniela Möller, Rainer Bösel
    EEG-Untersuchung zur mentalen Simulation von selbstdurchgeführten und fremddurchgeführten
    Handlungen

Miglieder- und Jahresversammlung

  • Gesine Schwan 
    Politik und Vertrauen

„Wissenschaft der Zukunft – Zukunft der Wissenschaft“ – Wirtschaftswissenschaften

  • Martin Eisend 
    Zukunft der Wirtschaftswissenschaft – einige Überlegungen zu den Zukunftsperspektiven der Betriebswirtschaftslehre